Lassen Peak, der südlichste aktive Vulkan der Cascades, übt ebenso wie der größere Mt. Shasta eine eigentümliche Faszination auf den Schibergsteiger aus: Mitten im Grünen ein freistehender Berg, schneeweiß, einfach so, als würde er nicht hierhergehören. Ich hatte gelesen, dass die Straße soweit geräumt war, dass der bequeme Zugang zur Nordostseite frei sein würde – wunderbar; der 45km-Winteranstieg wäre wohl eine zu lange Tagestour gewesen.

Wenig Schnee – kein Vergleich mit der Tour auf den Mt. Shasta; dennoch erreichte bald den Schnee, konnte anschnallen und von da an durchgehend bis zum Gipfel gehen. Zuerst geht es ja durch den Kiefernwald, dann durch einen Graben (nicht zu empfehlen, Steinschlag/Erdrutsch), bis auf ein Plateau. Nun fehlen noch etwa 700 Höhenmeter, die dann jedoch durchaus steil werden. Direkt vom Meeresspiegel kommend spürte ich die Höhenluft natürlich, dennoch ging ich hochmotiviert und relativ steil nach oben, immer wieder durch Foto-Pausen unterbrochen. Was für ein Tag! Keine Wolke trübte den Himmel.

Ich war spät unterwegs, es war schon aufgefirnt, also konnte ich alles auf Fellen hinaufgehen. Glücklich erreichte ich den Gipfel – nur um festzustellen, dass das eigentlich gar nicht der Gipfel war, sondern “nur” der Vulkankrater; der echte Gipfel ist noch ein paar Minuten entfernt; nach einer kurzen Rast erreiche ich nun selbigen, und nütze die Gelegenheit für eine längere Pause. Es ist wirklich wunderschön, ich bin völlig allein auf dem gesamten Berg. Zwei Gruppen waren schon abgefahren.
Ab einer gewissen Höhe ist der Mt. Shasta ständig im Blick, schöne Erinnerungen kommen auf! Shasta ist weiter nördlich, deutlich höher, die Tour deutlich länger; vielleicht geht sich auch dieser bald wieder aus?

Die Abfahrt direkt vom Gipfel hinunter ist kurzfristig unverschämt steil und ich nahm natürlich eine Menge Schnee mit. Also querte ich gleich rechts hinüber und siehe da, die restliche Abfahrt bis auf das untere Plateau konnte ich – in “besserer” Exposition – bei episch anmutendem Firn geniessen. Ein Traum! Erst weiter unten wurde der Schnee dann faul, praktisch die Strafe für die lange Gipfelrast. Egal, meiner Freude tat das keinen Abbruch, ich erreichte nach einem kurzen Such- und Tragestück im Wald das Auto wieder und auch die lange Rückfahrt inklusive dem Bay-Area-Willkommensgruß in Form von Stau konnte dem Bergerlebnis nichts anhaben.