Wischberg/Jôf Fuart (2.666m) über Anita-Goitan-Steig

Meine Freude, wieder eine Tour in der geliebten Wischberggruppe unternehmen zu können, war so groß, dass ich mich gleich für die relativ lange Variante „Über den Anita-Goitan-Klettersteig zum Wischberg“ entschied. In Erwartung einiger Schneefelder und u.U. widriger Bedingungen (Felsstürze nach dem Winter, zerstörte Sicherungen) hatte ich ein Minimalset an Kletterausrüstung sowie selbstverständlich Pickel und Steigeisen dabei.

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So geht es also zuerst an der Corsi-Hütte vorbei bis in die Kaltwasserscharte, bzw. jenem Teil, wo die Madonna in einer Felsnische ist. In der Nordschlucht liegt überraschenderweise kaum noch Schnee, wenngleich im Kar darunter noch einiges weiß ist, wie der Blick von der Autobahn gezeigt hatte. Von hier konnte ich eine große Gruppe in der Mosesscharte beobachten, wie sie gerade einzeln über ein Schneefeld zum Einstieg vom Klettersteig übersetzten. Über dem Kanin wurde das Wetter binnen kürzester Zeit schlechter, bald war komplett in Wolken gehüllt. Es war vormittag, ich rechnete nicht so schnell mit einem Gewitter (der Wetterbericht hatte überhaupt bestes Wetter vorhergesagt), also nahm ich den Anita-Goitan-Steig in Angriff. Immer wieder versperrten Schneefelder ohne Trittspuren den Weg, einige davon relativ ungut direkt über Felsabbrüchen – selbst bei weichem Schnee ist ein Pickel anzuraten aufgrund des engen Sturzraumes.

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Die Sicherungen sind alle in bestem Zustand. Natürlich zieht sich der Weg. Kletterpassagen, Grate, Schluchten, enge Bänder wechseln einander ab, nur die grandiose Aussicht bleibt ein ständiger Begleiter. Der Weg endet auf der Wischberg-Schulter in einem Riesen-Schneefeld, welches sich aber ebenso problemlos überqueren ließ. Im Bereich über der Einmündung der Nordostschlucht war kein Schnee mehr, dort überholte ich die grosse Gruppe und lief förmlich auf den Gipfel.

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Das Unwetter war bereits südlich vom Montasch und kam bedrohlich näher. Ich hätte durchaus auch in der alten Kriegshöhle am Gipfel warten können, aber ich entschied mich, auf jeden Fall einmal „Meter“ nach unten zu machen. Also ging es im Laufschritt und verzögerungsfrei die Schneefelder hinunter, und in der Höhle über dem bekannten „Loch“ fand ich einen bequemen und äußerst komfortablen, fast balkonartigen Unterschlupf (mehr als rechtzeitig). Nach einer halben Stunde war das Gewitter vorbei und ich konnte bei wolkenlosem Himmel den Rückweg zur Hütte und letztendlich zum Parkplatz antreten.

Marin Headlands Trail Run

Die Marin Headlands sind ein Paradies direkt vor der Haustüre von San Francisco. Es gibt mehrere Strände, einen Leuchtturm, schöne Aussicht auf die Golden Gate Bridge und die Stadt, und unzählige Kilometer Lauf-, Mountainbike und sogar Reitstrecken. Die vorliegende Runde ist etwas über 30km lang und dem Gefühl nach wird man wohl auf tausend Höhenmeter (die Hügelketten sind etwa 200 bis 250m hoch und werden vier mal überschritten, dazu kommen kleinere, zum Teil aber recht ungute Gegenanstiege) kommen.

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Man startet am besten beim Parkplatz Rodeo Beach, denn dort sind WCs, ein Trinkbrunnen und wenn man vorhat vom Hill 88 herunterzukommen, passt das dann perfekt. Zuerst der Straße entlang, nach wenigen Minuten Abzweigung ins Gerbode Valley und in langsamer Steigung in nordöstlicher Richtung auf die Hügelkette hinauf, bis man den Alta Trail erreicht. Hier sollte man unbedingt „rechts“ weiter auf den Hügel rennen, ein paar zusätzliche Höhenmeter machen und dann den Blick hinunter zum 101 und auf die Tiburon-Halbinsel geniessen. Die Sitzbank ist Herrn Clyde Wahrhaftig gewidmet, für des Deutschen kundige Besucher durchaus lustig. Nun geht es – überraschend lange – wieder ins Tal auf einem nicht in der Karte eingezeichneten Weg, bis man die Strasse nach Tennessee Valley überschreitet und dann am Rhubarb Trail den Parkplatz erreicht. Die Hitze ist unerträglich. Sofort rechts auf die nächste Hügelkette (Miwok Trail), und wiederum langatmig über viele breite Schluchten bis zum Highway 1.

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Selbiger wird überschritten und auf Dias Ridge – weiterhin in sengender Hitze ohne Schatten – mit besten Einblicken in die Landschaft um den Mount Tamalpais bis nach Muir Beach. Es wird frischer direkt beim Meer, Zeit das Leiberl wieder anzuziehen. Von der Meereshöhe an geht es nun wieder in die Hügel, direkt am Meer entlang in gewaltiger Szenerie. Leider führt der Weg hinab zur „Piratenbucht“ (für die Umgehung hätte ich früher abzweigen müssen), die mühsam erkämpften Höhenmeter sind schon wieder dahin. Auf steilem, mit Stiegen versehenen Steig hinauf und wiederum der Steilküste entlang auf den höchsten der Hügel rund um Tennessee Valley, hinunter auf gefährlichem Steig (Ausrutschen würde vermutlich böse im Wasser enden) und auf den Tennessee Beach Overlook hinauf. Zeit für eine kurze Pause, es ist zu schön, um hier einfach weiterzulaufen. Es heute praktisch windstill, auch eine Seltenheit (direkt über dem Pazifik!). Trinkwasser wäre fein, ist aber keines in der Nähe.

Tennesse Beach Overlook in den Marin Headlands

Von diesem Hügel nun zum nächsten Strand – Tennessee Beach -, das Tal ein wenig zurück bis zur Abzweigung auf den Hill 88. Im Gestrüpp nach oben, es geht überraschend schnell, trotz Durst und nun schon einigen Meilen in den Beinen, der Weg geht spannend im Zick-Zack hin- und her, und lässt wohl keine Langeweile aufkommen.

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Endlich am Rücken des Hill 88 auf den Resten der alten Asphaltstrasse lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, den Gipfel des Hügels mitzunehmen – ist nur eine halbe Meile extra. Die Sonne geht unter, und am Parkplatz wird’s dann dunkel. Eine schöne Laufstrecke am späten Nachmittag…

Red Rock Canyon, Nevada

Der Red Rock Canyon ist ein Naturschutzgebiet in unmittelbarer Nähe der Party-Metropole Las Vegas (Party-Metropole, weil das Glücksspiel ja nur mehr ein kleiner Teil von Las Vegas ist, neben gigantischen Resort Hotels mit Pool-Landschaften, Themen-Einkaufsstrassen, Konzerten usw). Der Naturfreund kann sich relativ schnell am McCarran-Airport von den Urlaubsmassen trennen und den ca. halbstündigen Weg in die Wüste antreten.

Im Red Rock Canyon

Obwohl als Kletter-Mekka bekannt (siehe dazu Red Rock auf Supertopo), war ich aufgrund von Material- und Zeitmangel nur auf einer Durchfahrt mit kurzer Wanderung in den Ice Box Canyon. Ganz ernst darf man den Namen nicht nehmen, der Ice Box Canyon ist zwar der kälteste Teil des Gebietes aber dennoch sind wir hier in der Wüste.

Eingang zum Ice Box Canyon

Spektakulär sind die Berge im Red Rock Canyon allemal. Anders als zB im Joshua Tree Nationalpark gibt es sehr viele lange Routen (über 10 Seillängen sind keine Seltenheit). Ein interessantes Gebiet, und leicht erreichbar (wenn man den einstündigen Flug von San Francisco nach Las Vegas auf sich nimmt…)


102. Bay to Breakers 2013

Bereits zum 102. Male fand Bay to Breakers statt, natürlich lief ich wie schon letztes Jahr mit. Dieses traditionelle Volksrennen startet um 7 Uhr früh bei der San Francisco Bay, nahe dem Ferry Building, und führt quer durch die Stadt, u. a. durch den Golden Gate Park zum Ozean, wo die Wellen brechen (breakers), daher der Name.

Bay to Breakers 2013 - Start

Typisch für San Francisco ist, dass das Rennen auch eine grosse Party ist – viele laufen verkleidet, manche überhaupt nur mit Startnummer, viele laufen gar nicht sondern gehen nur bis zum nächsten Lokal. Ich hab es schon etwas sportlicher genommen und mich für den 1. Startblock angemeldet. Die exakt 12 Kilometer auf Asphalt sind gerade erträglich, es war für mich überhaupt der erste längere Lauf nach einer nervigen, mehrwöchigen Schienbeinentzündung, und direkt nach der gestrigen langen Wanderung zu den Velma Lakes.

Bay to Breakers 2013 - Ziel

Das Wetter war großartig – es war warm und sonnig, ein richtiger Traumtag für so eine Veranstaltung!

Velma Lakes (2.430m)

Eines der schönsten Gebiete in der nördlichen Sierra Nevada ist wohl die Desolation Wilderness; ein im Vergleich eher kleines Gebiet südwestlich von Lake Tahoe; in selbiger ist auch die Wanderung zu den Velma Lakes ein absolutes Highlight. Die Desolation Wilderness gilt als der am meisten frequentierte Bereich in der Tahoe-Area und dementsprechend sind Camping-Permits durch ein Quotensystem limitiert; nicht jedoch vor dem Memorial-Day-Wochenende, wo die klassische Wandersaison noch nicht begonnen hat; wir sind auf unserer Wanderung nur zwei anderen Kleingruppen begegnet.

Lake Tahoe von der Velma Lakes Wanderung aus gesehen

Aufgrund des dichten Freitagverkehrs erst relativ spät aus San Francisco herausgekommen, bei Sacramento dann nochmals in einen Stau geraten, waren wir viel später vor Ort als geplant und mussten dementsprechend früher eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. Wir fanden einen Zeltplatz mit Übersicht über Lake Tahoe. Ein schnelles Abendessen gekocht, das Essen dann mittels „Bear Hang“ gesichert (alles in einen Beutel, und den Beutel an einem Ast so aufhängen, dass der Bär nicht hinkommt, in sicherer Entfernung zum Zelt), und es war ohnehin schon Schlafenszeit. Leichte Minusgrade erfordern in dieser Höhenlage auch im Mai einen Winterschlafsack!

Am nächsten Tag ging die Wanderung zuerst an Granite Lake vorbei, dann auf einen Sattel, von dem wir erstmals diesen Teil der Desolation Wilderness überblicken konnten. Nicht jedoch hinunter, sondern am Bergrücken entlang führt der weitere Weg, wo das Weiterkommen durch sehr viel Altschnee gebremst wurde – schliesslich ist der ansonsten gut ausgetretene Weg vom Schnee verdeckt und es sind auch nur ganz wenige, schwer erkennbare Spuren im Schnee vorhanden.

Unzählige Schmelzwasserseen am Weg zu Velma Lakes

Später ist der Weg wieder mehr südlich exponiert und daher schneefrei; wunderbar sind die Einblicke in diese von Seen übersäte Granitlandschaft. Kleine Schmelzwasserseen, richtig grosse Seen, Schnee, Fels, Wald, wechseln einander ab; es gibt nur mehr wenig Höhenunterschied bis Velma Lakes, wo wir an Middle Velma Lake eine ausgedehnte Mittagspause machten. Die Rundwanderung über Dick’s Lake zurück blieb uns verwehrt, ein reissender Fluss aus Schmelzwasser machte das Weiterkommen unmöglich.

Allerdings zweigten wir dann vor dem oben angesprochenen Bergrücken ab Richtung Eagle Lake ab und gingen so durch ein anderes Tal zurück Richtung Strasse. Der Weg fängt an sich zu ziehen, klar wir mussten ja an diesem Tag mehr Strecke machen als geplant. Die spektakuläre Landschaft entschädigt für die Mühen, auch der Weg an der Straße zurück zum „richtigen“ Trailhead und Parkplatz ist absolut sehenswert.

Mount Shasta (4.322m)

Ich hatte ja überhaupt nicht mit einer Schitour für das Wochenende gerechnet, zumal der Wetterbericht irgendwie nicht gut war. Es ist meinem Tourenpartner zu danken, der unbedingt gehen wollte, und dem Wetterbericht, der am Samstag doch wieder besser aussah. Die angesagten Winde in Hurrikan-Stärke waren zum Teil schon vorhanden, aber was will man erwarten von einem Vulkan, der völlig frei im bewaldeten Hügelland steht, aber über viertausend Meter hoch ist?

Ich war bereits einmal im Jahr 2011 am Mount Shasta, dazu gibt es ja hier auch einen Bericht. Damals, obwohl Mitte Juni, war mehr Schnee als jetzt, Anfang/Mitte Mai. Dennoch ist die Tour derzeit praktisch bis Bunny Flat möglich. Wiederum wählte ich den Aufstieg über die klassische Route „Avalanche Gulch“.

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Meine Faszination ist nach wie vor ungebrochen. Immer wieder kommt einem die Aussicht „komisch“ vor, einfach weil ab einer gewissen Höhe die Nachbarn fehlen. Dafür konnte ich heuer den Lassen Peak schön sehen, der ja auch bereits einmal mein Ziel war.

Die Tour ist lang, sehr lang. Es sind knapp 2200 Höhenmeter zu bewältigen, die Höhe spielt natürlich eine Rolle, wenn man direkt vom Meeresniveau am Abend davor anreist – die Ortschaft Mount Shasta ist auch nicht wirklich hoch. Kein Wunder, dass die Mehrheit der Besucher zumindest eine Nacht irgendwo am Weg, meist bei Helen Lake, im Zelt verbringt.

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Immer wieder täuscht einen der Berg, man glaubt, man wäre ja bald oben. Es ist lang bis Helen Lake. Es ist lang bis zu den Red Banks. Es ist lang auf den Misery Hill. Interessanterweise bekam ich am Misery einen gewaltigen Energieschub, der mir noch auf den Gipfel half. Am Gipfelgrat war der Wind tatsächlich orkanartig, versteckte man sich hinter einem bestimmten Felsen, war es nahezu windstill. Die Aussicht war gewaltig.

Es hatte schön aufgefirnt, also konnten wir die steilere Variante „Left Of Heart“ in Spitzenfirn abfahren, bis wir unten weiter im Matsch zurück zum Parkplatz fahren konnten. Es wird wohl die letzte Tour für diese Saison gewesen sein, definitiv ein absolutes Highlight!